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Nach der Sofi folgt die Mofi
Dass auf eine Sonnenfinsternis später eine Mondfinsternis folgt – oder auf eine Mondfinsternis eine weitere Sonnenfinsternis – ist nicht unüblich. Ungewöhnlich ist jedoch, dass diese beiden Ereignisse vom selben Ort auf der Erde aus sichtbar sind. So können sich Menschen in Hohenlohe, die gerade erst die Sonnenfinsternisschutzbrille abgesetzt haben, auf das nächste seltene astronomische Ereignis freuen: Bei der Mondfinsternis kann man am frühen Freitagmorgen die teilweise Verdunkelung des Mondes in unserer Region gut beobachten.
Wie kommt es zu einer Mondfinsternis?
Eine Mondfinsternis tritt immer dann auf, wenn der Mond auf seiner Umlaufbahn um die Erde in den Schatten eintritt, den die Erde in den Weltraum wirft. Der Erdschatten hat zwei Bereiche: den inneren Kernschatten und den äußeren Halbschatten. Der deutlich sichtbare Teil der Finsternis beginnt am 28. August um 4.33 Uhr mit dem Eintritt des Mondes in den Kernschatten. Der Mond steht zu diesem Zeitpunkt in Deutschland etwas höher am Himmel als die Sonne zu Beginn der Sonnenfinsternis vom 12. August, heißt es in einer Information des Hauses der Astronomie Heidelberg.
Warum liegen genau 14 Tage zwischen der Sonnenfinsternis am 12. August und der Mondfinsternis am 28. August?
„Das ist kein Zufall“, erklärt Matthias Penselin, Physiklehrer am Crailsheimer Albert-Schweitzer-Gymnasium. „Sonnenfinsternisse sind immer bei Neumond: Der Mond ist zwischen Erde und Sonne. Mondfinsternisse sind immer bei Vollmond: Die Erde ist zwischen Mond und Sonne, also zwei Wochen vor oder nach einer Mondfinsternis. Daher die 14 Tage Abstand.“
Nun findet aber nicht alle zwei Wochen eine Finsternis statt. Warum eigentlich nicht?
Normalerweise läuft bei Neumond der Mond oberhalb oder unterhalb an der Sonne vorbei, ohne sie zu bedecken. „Der Mond ist dann gegen die helle Sonne und den hellen Himmel mit bloßem Auge nicht beobachtbar“, erläutert der Astronomie-Experte. Erst zwei Tage später könne man den „neuen Mond“, nachdem die arabische Kultur die Monatseinteilung macht, am Himmel sehen. „Finsternisse gibt es nur zweimal im Jahr, wenn der Mond wirklich auch in der richtigen ‚Höhe‘ bezüglich der Sonne steht. Dann gibt es aber immer zwei oder drei Finsternisse, und zwar im Abstand von gut 14 Tagen und immer abwechselnd Mond und Sonne.“
Könnte man theoretisch also alle sechs Monate eine Sonnenfinsternis sehen?
Das wäre möglich, wenn man sich auf der Erde zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle befindet – „zum Beispiel als superreiche Rentnerin“, so Penselin. „Dann fahren sie einfach immer in den 100 Kilometer breiten Streifen, wo die Finsternis entlangläuft: mal nach Südamerika, mal nach Grönland und so weiter. Oder Sie buchen eine Reise in den Weltraum, dann können Sie den dunklen Schattenfleck auf der Erde von oben ansehen.“ Da „normale“ Leute das nicht machter, entstehe der subjektive Eindruck, eine Sonnenfinsternis sei etwas sehr Seltenes – obwohl tatsächlich jedes halbe Jahr jeweils mindestens eine Sonnenfinsternis stattfindet.
Gilt das genauso für eine Mondfinsternis?
„Für eine Mondfinsternis ist die Lage günstiger“, erklärt Mathias Penselin. „Es genügt, wenn Sie während der Finsternis auf der Nachtseite der Erde sind, damit sie auf den Vollmond sehen können. Mondfinsternisse kann man daher jedes halbe Jahr häufiger oder mit kleinerem Reiseaufwand beobachten.“
Was muss man beachten, wenn man die Mondfinsternis beobachten möchte?
Die Beobachtung einer Mondfinsternis ist völlig ungefährlich. Man kann alles verwenden, vom bloßen Auge über einen Fotoapparat oder ein Fernrohr bis zu ganz großen Teleskopen. Eine Schutzbrille benötigt man nicht. „Allerdings“, sagt Penselin, „wenn der Mond untergeht, geht genau gegenüber am Horizont fast zur gleichen Zeit die Sonne auf, weil die ja in einer geraden Linie zum Mond steht. Und in die Sonne darf man nie ungeschützt blicken, das haben wir ja jetzt gelernt!“
Zu welcher Uhrzeit kann man die Mondfinsternis beobachten?
In Süddeutschland erfolgt der Eintritt des Mondes in den Halbschatten am 28. August gegen 3.20 Uhr. Mit bloßem Auge ist das jedoch kaum zu sehen. „Hinsehen lohnt ab 4.30 Uhr. Dann sieht man, wie der Mond am Rand ‚angeknabbert‘ wird.“ Zur Mitte der Finsternis sind 93 Prozent des Mondes verfinstert. Man sieht aber diesen verfinsterten Teil trotzdem, weil Licht durch die Erdatmosphäre auf den Mond hin gestreut wird. „Dieses ist bevorzugt das rote Licht, weshalb auch bei einer totalen Mondfinsternis immer ein tiefroter Mond sichtbar bleibt“, sagt der Physik- und Mathelehrer, der auch das Profilfach Informatik, Mathematik und Physik (IMP) unterrichtet. „Das ist absolut sehenswert und lohnt unbedingt das frühe Aufstehen.“ Das ist etwa gegen 6.10 Uhr der Fall. Wie auch bei der letzten Sonnenfinsternis geht auch hier der Mond unter, bevor die Finsternis endet. Der Mond ist also noch im Erdschatten. Wir bewegen uns aber auf die Tagseite der Erde und können dann nur noch eine ganz normale Sonne, aber keinen Mond mehr sehen. Monduntergang und Sonnenaufgang sind ungefähr gleichzeitig gegen 6.40 Uhr.
Welcher Ort eignet sich für die Beobachtung?
Wie bei der Sonnenfinsternis braucht man freie Sicht auf den untergehenden Mond Richtung Westen. Penselin: „Im Grunde sind Plätze, die für die Sofi gut waren, auch gut für die Mofi. Allerdings geht der Mond im Westen unter und nicht nordwestlich wie die Sonne.“ Mit einem Kompass kann man im Voraus testen, ob Bäume oder Gebäude die Sicht versperren: Dazu einfach von der genauen Westrichtung etwa 14 Grad nach Süden drehen. Der Astronomiefachmann empfiehlt, dazu eine Kompass-App zu verwenden. Was man natürlich wieder unbedingt benötigt, ist gutes Wetter mit wolkenlosem Himmel.
Info: Weitere Informationen gibt‘s auf der Homepage des Hauses der Astronomie in Heidelberg (www.haus-der-astronomie.de) oder auf https://sternfreunde.de/.



